dafür setzen wir uns ein

EccoExe hat sich als Aufgabe gestellt, angepasste Produktionsprozessen und Arbeitszeiten für benachteiligten Frauen zu entwickeln. Diese flexiblen Arbeitsbedingungen machen es möglich, dass sie ihre Verpflichtungen als allein erziehende Mütter oder Großmütter, die sich um ihre Enkelkinder kümmern, nicht vernachlässigen.

 

Ebenso ermöglichen wir für benachteiligte Frauengruppen eine Einkommensmöglichkeit, die sie nicht in der normalen Arbeitswelt finden können. Wir haben bis jetzt mehr als 3.000 Frauen ausgebildet. Das Erlernen dieser Tätigkeit ermöglicht den Frauen Beschäftigung und persönliche und berufliche Entwicklung.  Die meisten Frauen stammen aus dem Hochland der Anden, sind auf der Suche nach besseren Verdienstmöglichkeiten in die Hauptstadt gekommen und wohnen nun in der Peripherie Limas.

 

Wir bilden Frauen auch in Katastrophengebieten Perus. Wegen der enormen Katastrophe im Norden Perus auf Grund der Überschwemmungen und Erdrutschen sind viele Familien ohne Einkommen in Chiclayo und andere Orten im Norden Perus geblieben, deswegen haben wir uns entschlossen, Frauen auch dort auszubilden. Unsere erste Aktion fand in April in Chiclayo statt.

 


ELIA LEGUA VON ECCOEXE- DIE ERFINDERIN DER FINGERPUPPEN AUS PERU

 

Wer kennt nicht die Fingerpuppen aus Peru? Fast jeder, den ich fragte, hat sie bereits gesehen oder sogar gekauft. Löwe oder Tiger, Zebra oder Hund, fast alle Tiere gibt es als Fingerpuppen-Version. In Peru ist die Herstellung der Puppen ein eigener Zweig des Kunsthandwerks. Es gibt ganze Dörfer in den peruanischen Anden, deren Bewohner sich mit der Produktion dieser kleinen Puppen befassen.

 

Aber wie entstand dieses Kunsthandwerk und woher kam die Idee?

Ich habe das Glück gehabt, diese Entwicklung selbst mitzuerleben. Ich war Ende der achtziger Jahre Mitarbeiterin der Deutsch-Peruanischen Industrie und Handelskammer in Lima. Dort habe ich Elia Legua kennengelernt. Sie leitete damals die Nichtregierungsorganisation „Instituto Desarrollo y Cultura“ (Institut für Entwicklung und Kultur), deren Hauptziel war, Beschäftigung für benachteiligte Frauen zu schaffen. Bei dieser Arbeit hatte sie sich mit verschiedenen Produkten befasst und war auf die Fingerpuppen aufmerksam geworden. Die Herstellung der Puppen war relativ einfach und schnell zu lernen und hatte das Potential sich zu einer Einkommensquelle für die Frauen entwickeln. So begann sie, Modelle zu entwickeln und anzubieten. Als sie mich bei der Handelskammer besuchte, verfügte sie bereits über eine größere Zahl von Puppenmodellen, die sie selbst entwickelt hatte. Diese hatte sie auf einer Kunsthandwerksmesse in Deutschland mit so viel Erfolg präsentiert, dass sie sich in der Folgezeit ausschließlich mit diesen Puppen beschäftigte und die Entwicklung dieses Produktionszweigs ermöglichte. Dreißig Jahre danach habe ich Elia Legua erneut getroffen und sie gebeten mir einige Fragen zu beantworten.

 

Elia, erzähl bitte mal, wie es dazu kam, die Fingerpuppen zu entwickeln und exportieren

Damals, 1984, während der Regierungszeit des Präsidenten Alan Garcia arbeitete ich ehrenamtlich im Gemeinderat von San Juan de Miraflores. Ich war zuständig für das Programm „El Vaso de Leche“, in dem es um die Verteilung von Frühstück für Schulkinder ging und auch für die gemeinsame Vorbereitung von Mahlzeiten für bedürftige Leute in einer Zeit, die schrecklich war. Die wirtschaftlichen Zustände waren katastrophal und die Bewohner hatten sich selbst organisiert, um Essen für sich selbst und ihre Kinder zu kochen. San Juan de Miraflores war der erste Bezirk Limas, wo so was gab. Der damalige Bürgermeister, Alfonso Barrantes, hatte das Programm ins Leben gerufen. Wir arbeiteten in 79 informellen Siedlungen, den sogenannten „Pueblos Jóvenes“ in San Juan de Miraflores, hauptsächlich mit jungen Universitätsstudenten, die ehrenamtlich mitgemacht haben, da es überhaupt kein Geld gab, um die Mitarbeiter zu bezahlen. Nur die Zutaten für die Mahlzeiten wurden teilweise von dem Programm bezahlt. So habe ich von Anfang an die Leute und den Ort, wo jetzt auch unsere Werkstatt ansässig ist, sehr gut kennen gelernt.

 

Wie begann Deine Arbeit mit den Frauen?

Damals arbeitete ich sehr viel und hatte verschiedene Arbeitsplätze, als Volkswirtin war ich Beraterin der Bürgerschaft Limas und auch Leiterin des ersten Schutzhauses für Frauen Perus, d.h. das erste Haus wo Frauen, die Opfer von Gewalt waren, Zuflucht finden konnten. Dabei wurde ich mit der Gewalt, die die Frauen erleben konfrontiert und habe mir Gedanken gemacht, was man dagegen machen könnte. Und so kam ich zu der Idee, eine Organisation zu gründen. Frauen ohne Ausbildung und Einkommen bleiben immer zwangsläufig in dieser Spirale von Gewalt und Ausbeutung. Ich sage den Frauen immer, die zu uns kommen, sie sollen Geld verdienen und selbständig werden. Selbst wenn sie vor einem gewalttätigen Mann fliehen wollen, brauchen zumindest das Geld für den Bus, sonst müssen sie ihn auch noch um ein paar Soles bitten und das ist doch total widersprüchlich?

 

Aber EccoExe ist keine jetzt NGO mehr, oder?

Nein, mit der NGO entwickelten wir das Konzept und die ersten Maßnahmen, um Frauen zu qualifizieren und entwickelten die Produkte. Danach, im Jahr 1995 gründeten wir EccoExe als Unternehmen mit den gleichen Zielen. Normalerweise hat ein Projekt einer NGO eine bestimmte Dauer und Finanzierungszeit und danach muss man sich entscheiden, ob und wie es weiterlaufen soll. Wir fanden damals als die beste Lösung, eine Firma zu gründen, um die Frauen die dauerhaft mit uns gearbeitet haben und inzwischen selbst andere Frauen anleiten konnten, eine sichere Stelle anzubieten und mit der Produktion der Fingerpuppen weiter zu machen.

 

Was für Frauen werden von EccoExe geschult?

Die Frauen sind sehr arm, mit keinem oder niedrigem Einkommen, und wohnen in der südlichen Peripherie Limas. Die Altersgruppe ist sehr breit, es handelt sich um erwachsene Frauen jeden Alters: Junge alleinerziehende Mütter mit kleinen Kindern, die keine Ausbildung und keine Perspektive auf eine feste Anstellung haben oder ältere Frauen, sogar Großmütter, die wegen des Alters oder fehlender Qualifikation, nie eine geregelte Arbeitsstelle finden werden. Deren Töchter müssen häufig den ganzen Tag arbeiten und sie kümmern sich  um die Enkelkinder. Sie müssen auch Geld verdienen, da das Einkommen ihrer Töchter zur Finanzierung des Mehrgenerationenhaushaltes nicht ausreicht. In Peru gibt es keine Maßnahmen seitens der Regierung, die  Arbeit dieser Bevölkerungsgruppe fördert oder eine finanzielle Unterstützung für bedürftige ältere Leute anbietet. Und es sind viele!

 

Wie funktionieren die Schulungen bei EccoExe?

Wir laden die Frauen ein aber es kommen auch Männer. Es ist auch für Männer sehr schwer, eine Arbeit zu finden und so kommen sie auch zu uns. Aber es handelt sich hauptsächlich um Frauen. Sie kommen zu einem ersten Treffen, wo erklärt wird, wer wir sind und was sie mit dieser Schulung machen können. Das erste Mal müssen wir viele Fragen beantworten, da einige der Frauen, sehr misstrauisch sind, weil sie bereits von anderen Firmen und Exporteure betrogen wurden.

Die verschiedenen Stricklehrgänge wurden von uns entwickelt. Sie sollen schnell und möglichst einfach sein. So können Frauen, die noch nie was gestrickt haben, nach drei Tagen bereits eine Fingerpuppe stricken und Geld verdienen. Sie lernen es von unseren Lehrerinnen, die selbst bei uns es gelernt haben und jetzt so tüchtig sind, dass sie anderen das Stricken von Fingerpuppen beibringen können. Dabei lernen sie, eine Fingerpuppe zu stricken, die den europäischen Qualitätsstandards entspricht. Nur Personen, die Einschränkungen haben, brauchen etwas mehr Zeit. Wir akzeptieren jeden, der mitmachen möchte.

 

Und wie viele Frauen sind es inzwischen, die diese Schulungen gemacht haben?

Uf, ich denke, wir haben bis jetzt mehr als 3000 Frauen ausgebildet. Viele, die bei uns mitgemacht haben, sind selbständig geworden und einige, die wegen des Terrorismus[i] auf dem Land in den 80er Jahren nach Lima gekommen sind, sind zurück in ihren Dörfer gegangen und produzieren Fingerpuppen jetzt dort. Daher gibt es so eine die große Produktion in den Provinzen. Die Puppen werden hauptsächlich aus synthetischer Faser produziert, aber in den letzten Jahren haben wir auch angefangen Baumwolle, Wolle oder Alpakawolle zu verwenden für anspruchsvollere Märkte, die Naturfasern bevorzugen. Die Produktion der Fingerpuppen hat sich auch international verbreitet. Inzwischen werden die gestrickten Fingerpuppen auch z.B. in Bolivien und Ecuador hergestellt und werden weltweit exportiert.

 

Aber es sind deine Ideen und dein Design, macht es dir nichts aus, dass anderen Unternehmer davon profitieren?

Mein Konzept war von Anfang an, den Frauen durch das Erlernen dieser Tätigkeit, eine Möglichkeit zu bieten, Selbständigkeit und Selbstvertrauen zu gewinnen und ein Einkommen zu erzielen. Wir sind uns bewusst, dass wir eine enorme Konkurrenz in der Produktion der Fingerpuppen haben, deswegen entwickeln wir ständig neue Modelle und haben bereits vor 17 Jahren angefangen, andere Produktlinien zu entwickeln. Jetzt produzieren wir auch gestrickte Mode aus Naturmaterialien und sind dabei, unsere erste Kollektion von Baby-Accessoires auf einer Ausstellung zu präsentieren. Damit bleiben wir wettbewerbsfähig und wichtiger noch, sozialverantwortlich.

 

Vielen Dank Elia und viel Erfolg!

 

Lima, Juni 2016.

     (1)  Die Bevölkerung der Andenregion Perus erlebte in den 80er und Beginn der 90er Jahre großer Gewalt an der die terroristischen Gruppen „Leuchtender Pfad“ (Sendero Luminoso), die Revolutionäre Bewegung Tupac Amaru (Movimiento Revolucionario Tupa Amaru und die Militär beteiligt waren. Das verursachte eine große interne Migration in die Hauptstadt Lima.  

 



Redaktion: Rosa Chavez / Deutsche Fassung: Birgit Uthmann